Unterwegs auf der 4. Nacht des Wissens in Göttingen

Eindrücke von Lena Kaatz, Studentin der Agrarwissenschaften und studentische Hilfskraft, Öffentlichkeitsarbeit & Marketing, Fakultät für Agrarwissenschaften

Die Campus, die ich besucht habe(, laut DUDEN darf man tatsächlich Campus als Plural von Campus verwenden):

  • MPS
  • Geowissenschaften und Geographie
  • Klinikum
  • Zentral Campus

Meine kleine Reise begann am MPS (Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung). 

Eigentlich wollte ich mich dort nicht lange aufhalten und nur die Stände besuchen, die ich mir herausgesucht hatte. Jedoch wurde ich schnell davon überzeugt, mich genauer umzuschauen. Auf dem Weg zum MPS sah man bereits aus der Ferne Nebel aufsteigen. Vor dem Eingang bewegte sich ein Mitarbeiter mit einer Art Trommel (Stand „Poesie der Wolken“), die mit Nebel gefüllt war. Durch das Schlagen der „Trommel“ wurden kleine Wolken ausgestoßen, sodass die Trommel eher einer Kanone glich und Kugeln von Nebel ausstieß. Sehr beeindruckend war dort auch die Laser-Installation, die eine zum Erdboden parallele Ebene strahlte, die durch den aufsteigenden Nebel gekennzeichnet wurde. Die Schwaden „zeichneten“ mit den Laserstrahlen: Je dichter der Nebel war, desto intensiver schien das Grün des Lasers. Auf diesem Weg sollten die Strömungen in Wolken anhand der Laser dargestellt werden.

Im MPS wurde durch Vielfalt überzeugt! Aufgrund verschiedener Ausstellungen wurde – auch mir selbst  – deutlich, dass Agrarwissenschaften interdisziplinär sind. So zeigte der Stand „Am Anfang war das Ei“ befruchtungsfähige Eizellen von Rind, Schwein, Maus und Mensch unter dem Mikroskop, die ich vorher noch nicht zu Sehen bekommen habe. Einiges zu Eizellen wusste ich schon, zumal ich momentan ein Modul besuche, das sich um Fortpflanzung dreht. Trotzdem konnte ich mein Wissen noch ein wenig erweitern.

Auch sehr interessant war „Blicke ins Herz“. An diesem Stand wurden die Kontraktionen bei Kammerflimmern gezeigt. Zu sehen gab es an einem Bildschirm drei Szenarien, sodass man in etwa ausmachen konnte, wie Herzrhythmusstörungen aussehen können.

Auf dem Rundgang auf der oberen Etage des MPS wurde meine kleine Gruppe neugieriger Menschen von einem Mitarbeiter des MPI „entführt“ und da ich, wie hypnotisiert von der dargebotenen Wissenschaft um mich herum, dies nicht mitbekam, musste ich aus der Trance kurzzeitig erwachen und mich meiner Gruppe wieder anschließen. Uns wurde ein wenig über „Feinmechanik für die Weltraumforschung“ erzählt, sodass wir Informationen über die Arbeitsgeräte der Feinmechaniker (Frästechnik) erfahren konnten, die hochpräzise Werkstücke für die Weltraumforschung anfertigen.

Am Ende des Rundgangs konnte ein Schleimpilz in einer Petrischale am Stand „Wie der Schleimpilz denkt“ abgeholt werden. Dieser konnte dann mittels eines Mikroskops dabei beobachtet werden, wie er ein Labyrinth durchquert und den kürzesten Weg zu einer Nahrungsquelle findet – ziemlich clever! Die Petrischale durfte man mit nach Hause nehmen, um dort den Pilz beim Wachsen weiter zu beobachten.


Im Gebäude der Geowissenschaften und der Geographie haben wir dann die „Augmented Reality Sandbox“ aufgesucht, die vor allem für Kinder interessant schien, die mit ihren Händen Sandberge bauten und sich an den Farbveränderungen freuten – ich war eines davon. Die Farben stellten ein Höhenmodell dar, das auf den Sand projiziert wurde. Wenn man den Sand verschob, passte sich das Höhenmodell nach etwa einer Sekunde an. Es war interessant zu beobachten, wie sich die Morphologie unter dem Einfluss der vielen kleinen (und großen) Hände in kurzer Zeit verändern kann. Erstaunlich ist, dass ich den Sand nicht unbedingt als Sand wahrgenommen habe, sondern eher nur die Formen und die Farben des Höhenmodells. Den Sand unter den Händen zu spüren, war dann fast wie eine Überraschung und fühlte sich unwirklich an. Der „Erdbebensimulator“ schien dort ebenfalls zu gefallen, die Schlange war sehr lang. Wenn man sich in den Simulator gestellt hat, konnte man ein Erdbeben der Stärke 5 nachempfinden. Für Menschen, die sich in engen Räumen nicht wohlfühlen: nicht empfehlenswert!


Den meisten Spaß hatte ich im XLAB, wo wir uns im 3. Obergeschoss „Anatomie – Herz und Lunge vom Schwein“ angesehen haben. Meine Vorfreude war sehr groß, denn ich finde Anatomie und Physiologie äußerst interessant. Es fasziniert mich, den Motor des Lebens in den Händen zu spüren und darüber zu staunen, wie viel wir über Organe und deren Funktion wissen. Jedoch finde ich es genauso erstaunlich und gleichzeitig ein wenig deprimierend, wie viel wir noch nicht wissen. Ich frage mich auch, ob wir je alles wissen werden – wobei das eher eine philosophische Frage zu sein scheint.

Zu sehen gab es drei Schweineherzen und eine Lunge. Das kleine Herz plus Lunge schien wohl von einem Mastschwein zu stammen – urteilend nach der Größe des Herzens, das in etwa faustgroß war. Die anderen beiden Herzen waren deutlich größer und daher eher von ausgewachsenen Schweinen.

Anerkennend wurde genickt, als ich meinen Finger in die Wände der Herzkammern gedrückt habe und wusste, welche Herzkammer welche ist. (Der linke Teil des Herzmuskels, der dafür verantwortlich ist, das Blut durch den Körper zu pumpen, ist dicker als der rechte.) Daraufhin hielten wir einen kurzen Plausch über den Inhalt des Studiums der Agrarwissenschaften, da die Verantwortlichen der Vorführung daran interessiert waren, weshalb wir so gut über die Anatomie Bescheid wussten. Danach wurde die Lunge des Schweines aufgeblasen. Was soll ich sagen? Ich bin einfach erstaunt darüber, was die Natur entwickelt hat, um Leben zu ermöglichen. Zu sehen, wie sich die Lunge ausfaltet und ihr Volumen unter der einströmenden Luft vergrößert, ist einfach faszinierend. Das Lungengewebe fühlt sich auch ganz anders an als das des Herzens. Ist ja logisch, denn die Gewebe erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Lungengewebe fühlt sich an wie ein weicher, feiner Schwamm. Wenn man das Gewebe drückt, gibt es dem Druck sofort nach – anders als beim Herzen, das eher fest ist.


Ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum Zentral Campus wurde im Klinikum eingelegt. Beim Aussteigen wurde man schon durch ein Lichtspiel und Musik auf das Spektakel vorbereitet, das einen im Klinikum selbst erwartete. An der Wand des  Haupteingangs wurden die Meilensteine des Klinikums in Göttingen – wie zum Beispiel die Einführung des Helikopters oder der erste Kernspintomograph – angestrahlt. Im Klinikum selbst sahen wir uns ein 3D-Video einer minimal invasiven Herzklappenchirurgie an, das durch Kommentare eines Mitarbeiters näher erläutert wurde. Dort konnte man auch selbst versuchen, an einem Simulator eine Naht zu setzen. Insgesamt war es faszinierend, was dort alles zu sehen war.


Am Zentral Campus war durch die vielen Darbietungen sehr viel los. Angefangen mit der „Wiederkäuerernährung“, wo unter anderem ein Halfter zur Messung der Kauaktivität von Wiederkäuern ausgestellt war. Außerdem konnte man testen, wie gut man sich mit Futtermitteln und Nutztierrassen auskennt.

Weiter ging es zum „Kofferlabor“. Der Name ist Programm! Der „Aktenkoffer“ beinhaltet alles, was ein molekulardiagnostisches Labor so alles beinhalten muss, um Viren nachzuweisen. Aufgrund der geringen Größe kann dieser Koffer überall – egal ob entlegene Gegend oder Flughafen – zum Einsatz kommen. Der Vortexmischer war das Beste an dem kleinen Labor. Wenn man diesen mit dem Finger berührt hat, begann er zu vibrieren. Eigentlich dient dieses Gerät dazu, Reagenzgefäße zu schütteln, um Proben gründlich zu mischen.

Die Mischung macht’s? Die Vielfalt der Themen glich auch der Anzahl der Darstellungsmöglichkeiten der Themen. Denn das „GlobalFood (science) cinema and theater“  stellte Forschungsprojekte in Videos vor. In den Filmen der interdisziplinären Forschungsgruppe drehte es sich um Projekte, die global den Lebensunterhalt durch Landwirtschafts- und Ernährungssysteme verbessern sollen und darum, wie diese Systeme beeinflusst werden können. Passend zur Veranstaltung gab es am Eingang Popcorn, sodass man es sich im Hörsaal gemütlich machen und dann entspannt den englischen Videos lauschen konnte, die mit deutschen Untertiteln denjenigen halfen, die der englischen Sprache nicht mächtig waren. Am Ende der Veranstaltung konnte man wählen, welches Video einem am besten gefallen hat – ganz modern mit Smartphone und QR-Code.

Um von dem wissenschaftlichen Wahnsinn, den ich an diesem Abend durchlebt hatte, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden, habe ich die „Philosophische Nachtgespräche“ besucht, in der das Thema Toleranz diskutiert wurde. Die Veranstaltung hat mich wieder zum Nachdenken gebracht, nachdem ich den ganzen Tag in der fantastischen Wolke der Wunder umhergeschweift bin. Somit fand mein aufregender Tag ein Ende: Ich hatte meinen Horizont erweitert. Nun gilt es wieder, in anderen Köpfen das gleiche zu ermöglichen.


Foyer des MPS

Es hat sich definitiv gelohnt, einen Blick in die Welt des Wissens in Göttingen zu werfen. Es gibt und gab hier vieles zu entdecken! Die dunkle, geheimnisvolle Atmosphäre hat mich sofort in den Bann gezogen und den gesamten Abend über begleitet. Alle waren vergnügt und hatten Spaß – nicht, dass es sonst nicht so ist, aber die Gemütlichkeit dieser Nacht hat den grellen Lernstress, der häufig das Leben eines Studenten erfüllt, für einige Stunden verdrängt und für erholende Abwechslung gesorgt.

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