„Wir haben ein Problem mit Glyphosat“

Prof. Dr. Maria Finckh berichtet über Auswirkungen von Glyphosat auf Nicht-Zielorganismen, Auswaschung im Boden, Antiobiotikaresistenzen und Bienensterben


Die Rechte der folgenden Audiodateien liegen bei Prof. Dr. Maria Finckh. Ohne Einverständnis von Prof. Finckh dürfen sie nicht weiterverwendet werden.


Am Montag, den 21. Januar 2019, füllten sich die Reihen der großen Aula in Witzenhausen mit Studierenden, Landwirten und anderen Interessierten, um Prof. Maria Finckhs Vortrag zu Auswirkungen des Wirkstoffes Glyphosat auf die Umgebung und die Menschen zu lauschen. Maria Finckh ist die Fachgebietsleiterin für Ökologischen Pflanzenschutz an der Universität Kassel und hat sich neben ihrer eigentlichen Forschung in den letzten Jahren immer vertiefter mit den negativen Effekten von Glyphosat beschäftigt. In ihrem Vortrag erklärt sie, warum sie Glyphosat für problematisch hält und wie es sich auswirkt: auf Pflanzen, im Boden, auf Bienen und nicht zuletzt auf Menschen. AgrarDebatten war live dabei, um an dieser Stelle davon zu berichten.

Mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Kurte-Breul


„…warum ich immer überzeugter bin, dass wir ein Problem haben mit Glyphosat und – noch viel schlimmer – mit den meisten Herbiziden.“

Es mag überraschen: Krebsrisiken sind laut Maria Finckh nicht das größte Problem.

Zunächst: Was ist Glyphosat? Wie wurde es entdeckt? Und wieso ist es scheinbar nicht so unproblematisch, wie viele es gerne darstellen?

Was Glyphosat eigentlich ist und wie es dazu kam, dass wir es nutzen.

Wie sich Glyphosat auf Nicht-Zielorganismen auswirkt und wie es in der Pflanze wirkt, erfahrt ihr hier:

Mit einem Fallbeispiel zu Zuckerrohranbau in Nicaragua

Was die Funktionsweise von Pflanzen mit einer Bar und und ein gesunder Boden mit einem guten Brot zu tun hat, und wieso wir uns mehr Sorgen über Langzeitwirkungen und Antiobiotikaresistenzen machen sollten, erklärt Dr. Finckh im nächsten Abschnitt.

Über Nebenwirkungen von Glyphosat
Photo by Pixabay on Pexels.com

Glyphosat beeinflusse auch das Bienensterben und wird auch – entgegen der Angaben der Hersteller – offenbar auch aus dem Boden ausgewaschen. Mehr dazu erfahrt ihr hier:

Bienensterben, Auswaschung und Abbau im Boden

Einmal zusammengefasst: was die Industrie über Glyphosat behauptet und was die Wissenschaft dazu herausgefunden hat. Außerdem präsentiert Dr. Finckh verschiedene Alternativen zum Einsatz von Glyphosat.

Was sagt die Industrie? Was sagt die Wissenschaft?
Foto: K. Backhaus

Dem Vortrag folgte eine angeregte Diskussion mit interessierten Fragen und Anmerkungen, aber auch Kritikpunkten aus dem Publikum. Einen Auschnitt daraus, der vielleicht auch die eine oder andere eurer Fragen schon beantwortet, könnt ihr hier nachhören.

Ausschnitte aus der Diskussion

Sind Fragen offengeblieben? Haben euch die Argumente überzeugt? Was sind eure Gedanken zu dem Thema? Hinterlasst uns einen Kommentar mit euren Meinungen und Reaktionen.

6 Gedanken zu „„Wir haben ein Problem mit Glyphosat“

  1. Erst einmal vielen Dank an das Blogteam, das den Vortrag so in Häppchen aufgeteilt hat. Am Stück hätte ich das kaum ertragen, ich bin entsetzt. Hier wird mehr Esoterik präsentiert als Wissenschaft. Zur Präsentation: Die Zulassung für das dort präsentierte Präparat Roundup Ultramax ist Ende 2014 abgelaufen. Ende der Aufbrauchfrist war der 30.06.2016 (https://www.raiffeisen.com/pflanzenschutzmittel/detail/005191-00). Dass Zubereitungen noch einmal ganz andere Wirkungen haben als der reine Wirkstoff dürfte niemand bestreiten. Bestimmte Zusatzstoffe sind ja auch zu Recht bereits verboten worden. BfR und BVL sind bei diesem Thema auf einem guten Weg, denn ab 2017 müssen in Deutschland auch synergistische und kumulative Effekte bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln berücksichtigt werden. Über den Sinn und Unsinn mancher Mischungen lässt sich durchaus streiten. So gibt es auch Präparate mit Glyphosat und Pelargonsäure: Glyphosat „braucht“ zur Wirkung Stoffwechsel und das wird unterbunden, weil die Pelargonsäure die Blattmasse sofort zerstört, aber solche Mischungen scheinen halt eher zu wirken. Die gezeigte „Alternative“ Paraquat hat keine EU-Zulassung. Auch wenn Prof. Neumann von der Uni Hohenheim (ich vermute von ihm sind die Drohnenaufnahmen) die Daueranwendung von Glyphosat kritisch sieht, ist er dezidiert gegen ein Totalverbot: https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=32360&cHash=2a90fad0f1. Antibiotikaresistenzen: Nach wie vor gibt es keinen harten Beleg dafür, dass Glyphosat solche Resistenzen induziert, für andere Wirkstoffe gibt es das, z.B. für Kupfer (siehe: https://www.salonkolumnisten.com/resistente-keime-durch-glyphosat/). Die Risikobewertung des BfR von Glyphosat umfasst mehr als 4.300 Seiten und die sollen jetzt irrelevant sein, weil sich Prof. Finckh neben ihrer eigentlichen Forschung damit mal beschäftigt hat? Sie spricht hier von „die Wissenschaft“ im Gegensatz zu „die Industrie“ – das ist völlig vermessen. AMPA ist übrigens auch ein Abbauprodukt von Waschmitteln *haarerauf*. Dass in den USA die Klageindustrie in Sachen Roundup angerollt ist, ist auch irgendwie kein wissenschaftliches Argument. Dort wurden auch bereits Unternehmen verklagt, weil ihr Baby-Puder angeblich Eierstockkrebs erzeugt. Kurzum: Welche Wirkungen ein Herbizid-Wirkstoff in vitro in was für Konzentrationen auch immer hat, wirklich relevant ist, ob die sachgemäße Anwendung sicher ist und was die Alternativen für Mensch, Tier und Umwelt bedeuten. Eine aktuelle Arbeit hat jetzt gezeigt, dass Glyphosat in Sachen Biodiversität auch nicht schädlicher ist als Bodenbearbeitung: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167198718309590

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  2. Liebe Susanne, Volltreffer. Vermute, dass die Frau Professor Finkh nicht oder mit weiteren haltlosen Polemiken (reiner Populismus) darauf antworten wird.
    Die taz steht da ziemlich im Schilf mit ihrer Darstellung der «Kontroverse»
    https://meedia.de/2018/11/14/ueberdosis-desinformation-die-pr-schlacht-um-das-unkrautvernichtungsmittel-glyphosat-flammt-wieder-auf/?fbclid=IwAR18szzYnKf2W-_BcF3ZxOSFBB7F1MSfmpijQyFb8Mw7VfY8wOkLWqv-43g

    Merkwürdig, der zweite FAO-WHO-Report wird oft unterschlagen: der zweitletzte Link: Intro und Kapitel Glyphosat

    FAO-WHO (20160516) JOINT FAO/WHO MEETING ON PESTICIDE RESIDUES (Diazinon, Glyphosate, Malathion), Summary-6pp, Short-123pp and Full Report-836pp FAO-WHO, Rome, Italy 1-6 pp http://www.who.int/foodsafety/jmprsummary2016.pdf?ua=1 AND http://www.ask-force.org/web/HerbizideTol/FAO-WHO-JOINT%20FAO-WHO-MEETING-ON-PESTICIDE-RESIDUES-full-report-836pp-20160509.pdf AND http://www.ask-force.org/web/HerbizideTol/FAO-WHO-JOINT-FAO-WHO-MEETING-ON-PESTICIDE-RESIDUES-Summary-Report-Diazinon-Glyphosate-Malathion-6pp-20160516.pdf AND short report: http://www.ask-force.org/web/HerbizideTol/FAO-WHO-JOINT-FAO-WHO-MEETING-ON-PESTICIDE-RESIDUES-1-43-Glyphosat-19-29-and-45-123-Appendices-1-5-2016.pdf AND the list of Experts: http://www.ask-force.org/web/HerbizideTol/FAO-WHO-Expert-List-20160509.pdf

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  3. Hier wird wieder mal absolutes Halbwissen verbreitet und keine Wissenschaft. Glyphosat ist als Antibiotikum in der natürlichen Umgebung praktisch wirkungslos. Nur unter sehr speziellen Bedingungen im Labor wirkt es hemmend auf das bakterielle Wachstum. Die Aufnahme wird durch die Aminosäuren der Glutamat-Familie verhindert.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29096310
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3096971
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=30666812

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  4. Professor Neumann aus Hohenheim ist ein absoluter Glyphosatbefürworter. Ihn als Kronzeuge gegen das Mittel zu mißbrauchen zeigt von Unseriosität. Ich habe den Eindruck, die Frau Finkch eifert dem medialen und finanziellen Erfolg der Frau Dr. Krüger hinterher. Diese hat ja schon gezeigt, wie man absoluten bullshit als „Wissenschaft“ verkaufen kann.

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  5. Interessant an den vorherigen Kommentaren finde ich, dass sie das Gleiche wiederholen und zum Ziel haben, Frau Prof. Dr. Finckh diskreditieren, um die Harmlosigkeit des Glyphosats hervorzuheben. Immer wieder finde ich es „bemerkenswert“, wie unseriös und mit welch zweifelhaften Methoden Glyphosat-Befürworter vorgehen…

    Ich hörte mir den Vortrag persönlich an und kann als jemand, der zum Thema ein umfängliches Fachwissen hat, nur die Wissenschaftlichkeit und Richtigkeit bestätigen.
    So gab es z. B. schon vor mehr als dreißig Jahren Forschungen, die sich mit der Problematik der pseudohormonellen Wirkung des Glyphosats befassten. Denn nicht die Toxizität von Glyphosat ist das eigentliche Problem, sondern es sind die vielfältigen Umweltfolgen, die sich aus der Anwendung von Glyphosat ergeben. Am besten ist es, sich den Vortrag einmal vollständig anzuhören.

    Als Beispiel für die, beschönigend ausgedrückt, zweifelhafte eigene Darstellung der Glyphosatindustrie möchte ich noch ein wortwörtliches Zitat einbringen:
    „…In den vergangenen 40 Jahren kamen die Zulassungsbehörden bei ihren umfangreichen Überprüfungen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Glyphosat kein unzumutbares Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt…“

    Da stellt sich mir die Frage, was bedeutet „kein unzumutbares Risiko“? Und welches Risiko ist zumutbar? Und wo werden die Folgen für das Tierreich und unsere Umwelt erwähnt?
    Eigentlich sagt das Zitat doch alles…

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