Ökologisch-ökonomische Bedeutung der Diversifizierung in der Landwirtschaft

Ein Beitrag von Julia Rosa-Schleich aus der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen

Diversifizierungsmaßnahmen wie abwechslungsreiche Fruchtfolgen, Gemenge- und Zwischenfruchtanbau, reduzierte Bodenbearbeitung oder Landschaftselemente sind nicht nur für die Biodiversität und viele ökologische Prozesse von Vorteil. Göttinger Agrarökologen und -ökonomen konnten kürzlich zeigen, dass die Diversifizierung der Landwirtschaft auch wirtschaftlich interessant sein kann.

Julia Rosa-Schleich und KoautorInnen haben mit einer systematischen Literaturrecherche analysiert, welche Diversifizierungsmaßnahmen sowohl mit ökologischen als auch ökonomischen Vorteilen verbunden sind. Die Arbeit entstand aus einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen der Agrarökologie (Julia Rosa-Schleich und Prof. Dr. Teja Tscharntke, Universität Göttingen), der Agrarökonomie (Prof. Dr. Oliver Musshoff, Universität Göttingen) und der Nachhaltigkeitswissenschaft (Prof. Dr. Jacqueline Loos, Universität Lüneburg). 

Aufnahme von Svenja Bänsch

Die Diversifizierung der Landwirtschaft kann zum einen durch Untersaaten und Zwischenfrüchte, längere Fruchtfolgen, pfluglose Bodenbearbeitung, Mischkulturen, Agroforstsysteme und Landschaftselemente wie Blühstreifen oder Hecken erfolgen. Zum anderen ist dies aber auch durch die Kombination einzelner Maßnahmen wie bei der Integration von Nutztieren auf Ackerflächen, der konservierenden Bodenbearbeitung oder bei der ökologischen Landwirtschaft möglich. Zu den ökologischen Vorteilen der diversifizierten Landwirtschaft zählen: die Erhaltung bzw. Erhöhung der Biodiversität und damit verbunden die Erhaltung ökologischer Prozesse wie Schädlings- und Unkrautkontrolle, Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit oder Förderung der Kohlenstoffspeicherung in der Landwirtschaft. Zu den möglichen ökonomischen Vorteilen gehören die höhere Ertragsstabilität, Einsparungen durch den Verzicht auf Pestizide und Mineraldüngung, Einsparungen bei den Maschinen- und Arbeitskosten sowie eine höhere Profitabilität bei der Vermarktung. 

„Abwechslungsreiche Fruchtfolgen, der Anbau von Gemenge und Untersaaten und die Integration von Nutztieren auf Ackerflächen sind mit erheblichen Gewinnen für die Biodiversität verbunden und können gleichzeitig die Ertragsstabilität erhöhen und damit das Ertragsrisiko vermindern.“

Aufnahme von Svenja Bänsch

Eine solche Diversifizierung kann zu einer Verringerung des Schädlings- und Unkrautdrucks beitragen und so die Kosten des Landwirts für Bekämpfungsmaßnahmen reduzieren. In der Literaturauswertung zeigte sich, dass kombinierte Maßnahmenpakete besonders gut für einen optimalen ökologisch-ökonomischen Kompromiss sind. Damit macht die Arbeit auch deutlich, dass es viel mehr als bisher einer gezielten Forschung für ökologisch vorteilhafte und ökonomisch tragfähige Konzepte in der Landwirtschaft bedarf. Dazu gehören auch neue Anreizsysteme im Rahmen der EU-Agrarpolitik, die gerade die Kombination verschiedener Bewirtschaftungsmaßnahmen (Blühstreifen plus ökologische Landwirtschaft plus kleine Felder) befördern. 


Originalveröffentlichung: 

Rosa-Schleich, J., Loos, J., Mußhoff, O., Tscharntke, T., 2019. Ecological-economic trade-offs of Diversified Farming Systems – A review. Ecological Economics 160, 251–263. https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2019.03.002

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