Transgene Baumwolle verbessert die Gesundheit von Bauern in Pakistan

– ein Beitrag von Prof. Dr. Matin Qaim, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, Universität Göttingen

Wir zeigen in einer neuen Studie, dass insektenresistente Sorten die Pestizidbelastung der Bauern und die damit verbundenen Krankheitskosten deutlich reduzieren.

Transgene Pflanzen, also solche, in die mit Hilfe der Gentechnik ein oder mehrere Gene anderer Organismen eingeschleust wurden, um neue erwünschte Pflanzeneigenschaften zu entwickeln, genießen seit jeher einen schlechten Ruf in der Öffentlichkeit. So werden diese Pflanzen vor allem als potentiell gefährlich für Umwelt und menschliche Gesundheit wahrgenommen. Außerdem werden negative soziale Auswirkungen befürchtet.

Zahlreiche Studien haben viele der pauschalen Vorurteile längst widerlegt. Alle namhaften Wissenschaftsakademien der Welt bescheinigen der Gentechnik, nicht gefährlicher zu sein als konventionelle Züchtungsmethoden. Transgene Pflanzen werden seit über 25 Jahren genutzt und umfangreich getestet, ohne dass dabei unerwartete negative Effekte aufgetreten wären. Statt negativer Effekte können deutlich positive Effekte für Umwelt und menschliche Gesundheit auftreten, wie unsere jüngste Studie mit Daten aus Pakistan zeigt.

Pakistan ist einer der großen Baumwollproduzenten in Asien. Mit rund 3 Mio. Hektar Anbaufläche ist Baumwolle die wichtigste Cash Crop und Deviseneinnahmequelle des Landes. Baumwolle wird in Pakistan sowohl von Kleinbauern als auch von größeren Betrieben angebaut. Seit mehreren Jahren sind die meisten Anbauer – klein wie groß – auf transgene Sorten umgestiegen, die mit Hilfe eines eingeschleusten Gens des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) resistent gegen wichtige Schadinsekten gemacht wurden. In früheren Studien konnten wir zeigen, dass die Bauern in Pakistan wirtschaftlich von der transgenen Technologie profitieren. Bt-Sorten führen aufgrund der geringeren Schädlingsverluste zu höheren Ernteerträgen; außerdem kann die Menge der gespritzten Insektizide verringert werden, was gut für die Umwelt und auch für den Geldbeutel der Bauern ist.

In unserer neuen Studie haben wir die gesundheitlichen Effekte der Bt-Technologie für die Bauern in Pakistan untersucht. Chemische Insektizide werden in Pakistan überwiegend manuell mit Rückenspritzen und ohne spezielle Schutzbekleidung ausgebracht. Häufig handelt es sich bei den Chemikalien um hochtoxische Substanzen, die in Europa längst verboten sind. Regelmäßig kommt es beim Spritzen zu akuten Gesundheitsbeschwerden, wie Atemprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen. Zum Teil müssen diese akuten Beschwerden medizinisch behandelt werden. Häufig führen sie zu temporären Arbeitsausfällen und damit verbundenen Einkommenseinbußen. Und natürlich können hieraus längerfristig auch schwerwiegende chronische Krankheiten entstehen.

Der verringerte Insektizideinsatz durch Bt-Sorten könnte das Auftreten solcher Gesundheitsbeschwerden reduzieren. Um zu erforschen, ob dies wirklich der Fall ist, haben wir Daten von über 700 zufällig ausgewählten Baumwollbauern in den zwei Hauptanbauprovinzen Pakistans – Punjab und Sindh – erhoben. Anders als die meisten anderen sozioökonomischen Studien haben wir die Bauern nicht nur gefragt, ob sie Bt-Baumwolle verwenden, sondern haben auch Pflanzenproben auf den Feldern gesammelt und diese im Labor auf die Expression des Bt-Gens getestet. Das ist insofern interessant, als dass es in Pakistan – wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern – einen Schwarzmarkt für Saatgut gibt, wo Herkunft und Qualität der Sorten nicht immer eindeutig sind. Das bedeutet unter anderem, dass Bauern, die meinen, Bt-Saatgut zu verwenden, nicht immer wirklich auch Sorten mit hoher Bt-Expression haben.

Baumwolle wird in Pakistan und anderen Entwicklungsländern häufig von Kleinbauern angebaut.

Tatsächlich zeigen unsere Daten erhebliche Unterschiede in der Qualität des verwendeten Saatguts. Für Sorten, die die Bauern als Bt-Saatgut gekauft hatten, die aber letztlich keine oder nur sehr geringe Bt-Konzentrationen aufwiesen, stellten wir keine Effekte auf den Insektizideinsatz und die Gesundheit der Bauern fest. Für Sorten mit höherer Bt-Expression zeigten sich allerdings sehr deutliche und statistisch signifikante Effekte: die Häufigkeit des Spritzens und die Aufwandsmengen an Insektiziden wurden im Vergleich zu konventioneller Baumwolle um rund 30% gesenkt. Außerdem gab es deutliche Reduktionen bei der Zahl und dem Schweregrad der mit dem Spritzen verbundenen Gesundheitsbeschwerden. Insgesamt konnten die Gesundheitsprobleme durch Bt um ein Drittel gesenkt werden.

Diese Gesundheitseffekte haben wir auch monetär bewertet. Die durch die Bt-Technologie reduzierten medizinischen Behandlungskosten und Arbeitsausfälle belaufen sich für Pakistan als Ganzes auf einen jährlichen Nutzen von rund 7 Mio. US Dollar. Das ist eine sehr vorsichtige Schätzung der Gesundheitseffekte, weil dabei Verringerungen von chronischen Krankheiten noch nicht berücksichtigt sind. Außerdem muss betont werden, dass dies nur die Gesundheitseffekte sind, die zusätzlich zum Nutzen durch höhere Erträge und geringere Produktionskosten für die Bauern entstehen.

Die Ergebnisse unterstreichen vor allem zweierlei. Erstens, transgene Sorten können sich nicht nur wirtschaftlich sondern auch gesundheitlich sehr positiv auf die Bauern in Entwicklungsländern auswirken. Zweitens, gut funktionierende und regulierte Saatgutmärkte sind wichtig, um das Potential neuer Saatguttechnologien voll zu nutzen und die Unsicherheit der Bauern über die tatsächliche Qualität der gekauften Sorten zu senken.

Unsere Studie zeigt wichtige neue Facetten auf und belegt eindeutig, dass die Gentechnik eine wichtige Rolle dabei spielen kann, die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen, sowohl in wirtschaftlicher und sozialer als auch in ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht. Übrigens handelt es sich bei unserer Forschung um ein gemeinsames Projekt mit Dr. Shahzad Kouser von der COMSATS University Islamabad in Pakistan und Dr. David Spielman vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in den USA. Die gute Zusammenarbeit mit Dr. Kouser freut mich ganz besonders, weil sie eine ehemalige Absolventin der Universität Göttingen ist. Sie hatte vor mehreren Jahren an meinem Lehrstuhl promoviert und ist inzwischen zu einer der erfolgreichsten Agrarökonominnen Pakistans avanciert.


Originalveröffentlichung (Open Access):

Kouser, S., D.J. Spielman, M. Qaim (2019). Transgenic Cotton and Farmers’ Health in Pakistan. PLOS ONE, 14(10): e0222617

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