Ökologische Landwirtschaft stärkt Honigbienen in nahrungsarmer Periode

– ein Gastbeitrag von Dr. Dimitry Wintermantel des Französischen Instituts für Agrarwissenschaften (INRA)

Zwischen den Blütezeiten von Raps und Sonnenblume leiden Honigbienen oft unter Nahrungsmangel in landwirtschaftlichen Gebieten. Erstmals wurde jetzt in Frankreich gezeigt, dass Honigbienenvölker in der Nähe von Bio-Kulturen diese Phase besser überbrücken und mehr Brut, erwachsene Bienen und Honig im Sommer haben. Dadurch könnten sie auch gestärkt in den Winter gehen. 

Intensive Landwirtschaft, gekennzeichnet durch Monokulturen und intensiven Einsatz von Agrochemikalien, gilt als eine der Hauptursachen für hohe Verluste an Honigbienenvölkern. Ökologische Landwirtschaft gilt dagegen als bienenfreundliche Alternative. Dennoch gab es bisher keine Studie, die den Einfluss des biologischen Anbaus auf die Entwicklung von Honigbienenvölkern untersucht, obwohl Honigbienen enorm wichtig sind durch die Produktion von Honig und vor allem durch die Bestäubung von unzähligen Wild- und Kulturpflanzen.  Mehrere Studien zeigten bereits, dass Wildbienen, wie Solitärbienen oder Hummeln, auf Bio-Feldern häufiger und vielfältiger sind als auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Um jedoch die Auswirkungen des ökologischen Landbaus auf Honigbienen zu untersuchen, reicht es nicht aus, Honigbienen in einzelnen Feldern zu zählen, sondern es bedarf eines sorgfältigen und großflächigen Monitorings von Honigbienenvölkern und der umgebenden Landschaft, in der sie sich auf Futtersuche begeben. 

Abbildung 1: Landkarte und Standort des Studiengebietes  „Plaine & Val de Sèvre“, des geschützten Waldes von Chizé im Süden (grau), der Bio-Felder (grün) und der Bienenstände (rot) im Jahr 2016, sowie der betrachteten 300 m (kleine Kreise um die roten Punkte) und 1500 m Radien (große Kreise) in deren Umgebung.  

Deshalb führten Forscher der französischen Forschungsinstitute CNRS und INRA eine Langzeitstudie innerhalb eines über 435 km2-großen Studiengebietes im Westen Frankreichs durch (Abbildung 1). Das Studiengebiet wird zu 40% für Getreideanbau genutzt, 27% für den Anbau von Mais, Sonnenblumen und Raps zu etwa gleichen Teilen und 11% für Grasland und Alfalfa. Zudem wird das Gebiet zu etwa 10% von bebauten Flächen bedeckt und zu 3% von fragmentierten Wäldern. Biofelder wurden mit deutlich weniger Raps bebaut (1%) zu Gunsten von mehr Grasland- und Alfalfaflächen (zusammen 23%). Während des Studienzeitraums von 2012-2017 stieg die ökologisch bewirtschafte Fläche von 5% auf 7% und je nach Standort waren die Völker bis zu 60% ökologischem Anbau in deren näheren Umgebung (300 m) und bis zu 30% in der weiteren Landschaft (1500 m) ausgesetzt. Die Forscher verknüpften Daten zur Landnutzung und -bewirtschaftung mit Parametern von Honigbienenvölkern des ECOBEE Programms. In diesem Langzeitmonitoring werden jedes Jahr jeweils fünf Bienenvölkern an 10 verschiedenen Orten innerhalb des Studiengebiets platziert und alle zwei Wochen während der Imkereisaison in standardisierten Messungen auf deren Brutfläche, Anzahl der erwachsenen Bienen und Honigreserven untersucht (Abbildung 2). Jean-François Odoux, der Leiter des ECOBEE-Programms betont die außergewöhnliche Größe des Datensatzes: „Ich kenne kein anderes Monitoring, das über so einen langen Zeitraum, auf einer so großen Fläche und mit so vielen Völkern durchgeführt wurde“.   

Abbildung 2: Im Rahmen von ECOBEE werden die Brutflächen bemessen und alle Warben erst mit und dann ohne Bienen gewogen. Aus der Differenz der Gewichte, kann die Anzahl der erwachsenen Bienen bestimmt werden. Die Honigreserven werden bestimmt, indem das Gewicht der leeren Warben und der Brut von den Warben ohne Bienen abgezogen wird (Foto: C. Maître, INRA).

Während der Rapsblütezeit wurde kein Unterschied festgestellt zwischen den Völkern, die ökologischen Anbauflächen ausgesetzt waren, und denen die nur konventioneller Landwirtschaft ausgesetzt waren. Im Untersuchungsgebiet wurde Raps 7-mal so häufig auf konventionell bewirtschafteten Feldern als auf Bio-Feldern angebaut, wie es wie es in Europa angesichts der Schädlingsanfälligkeit der Kultur üblich ist. Raps ist eine sehr wichtige Ressource für Honigbienen, aber auch eine der am meisten behandelten Kulturen. Möglicherweise profitierten Völker, die ökologischer Landwirtschaft ausgesetzt waren also von einer geringeren Pestizidexposition, was jedoch durch den Mangel an Rapsblumen kompensiert wurde.

Zwischen der Raps- und der Sonnenblumenblüte leiden Bienen in landwirtschaftlichen Landschaften besonders unter der Knappheit an Nahrungsressourcen. Während dieser Zeit nehmen der Polleneintrag, die Honigreserven und das Koloniewachstum generell ab. Die kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology veröffentlichte Studie zeigt, dass der ökologische Landbau diesen Rückgang bremst. Dieses wichtige Ergebnis legt nahe, dass Honigbienenvölker von der kontinuierlicheren Nahrungsmittelversorgung in der ökologischen Landwirtschaft profitieren. Diese resultiert unter anderem aus einer größeren Vielfalt an Kulturen mit mehr Zwischenfrüchten zur Düngung und mehr Hecken, und Graslandflächen (Abbildung 3). Zudem bewirkt das Verbot von Herbiziden, dass es auf Biofeldern mehr und vielfältigere spontane Wildpflanzen gibt, welche häufig trotz ihres Nutzens für Bestäuber als „Unkräuter“ bezeichnet werden. „Obwohl wir schon vermuteten, dass ökologische Landwirtschaft Honigbienenvölker besonders in dieser blütenarmen Periode beeinflusst, sind wir über die Deutlichkeit der positiven Auswirkungen überrascht“, sagt Dimitry Wintermantel, der Hauptautor der Studie. Die Völker hatten bis zu 37 Prozent mehr Arbeiterinnenbrut, 20 Prozent mehr erwachsene Bienen und 53 Prozent mehr Honig im Vergleich zu Völkern in rein konventionell bewirtschafteten Landschaften. 

Abbildung 3: In Graslandflächen innerhalb des Studiengebiets können Bienen diverse florale Ressourcen, wie Klatschmohn oder Kornblumen, finden (Foto: V. Bretagnolle, CEBC).

Die Auswirkungen hingen jedoch vom Abstand der Biofelder zu den Bienenstöcken ab. Bioanbau in einem 1500 m Radius führte zu mehr Honigproduktion, was darauf hindeuten könnte, dass die Bienen in dieser typischen Flugdistanz mehr nektarproduzierende Pflanzen vorfanden. Biofelder in der Nähe der Bienenstöcke erhöhten die Brutproduktion, was sich auch in der Anzahl erwachsener Bienen niederschlug. Dies könnte auf eine erhöhte Pollenvielfalt oder weniger Pestizideintrag zurückzuführen sein. Der positive Effekt auf die Brutproduktion könnte besonders relevant sein, da eine vorherige Studie des ECOBEE Programms zeigte, dass mehr Arbeiterinnenbrut in der blütenarmen Periode zu einer geringeren Wintersterblichkeit führt. Ökologische Landwirtschaft könnte also langfristig die Winterverluste bei Honigbienen reduzieren. 

Quelle:

Wintermantel, D.;Odoux, J.-F.; Chadœuf, J; Bretagnolle, V. (2019) ‘Organic farming positively affects honeybee colonies in a flower-poor period in agricultural landscapes.’ Journal of Applied Ecology. 

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