Können biologische Pflanzenschutzmittel Krankheiten auslösen?

– ein Beitrag von Dr. Annette Pfordt & Prof. Dr. Andreas von Tiedemann der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen


Einige biologische Pflanzenschutzmittel enthalten Sporen des Pilzes Trichoderma, welche die Fähigkeit haben, andere Pathogene zu parasitieren und zurückzudrängen. Gemüseanbauer nutzen „Trichoderma-Mittel“ z. B. um Krankheiten wie Botrytis oder Fusarium zu bekämpfen und um Fäulniserreger zu reduzieren. Produkte, die Trichoderma enthalten, sind z. B. Bioten, Vintec, 3Tac oder Trichodex. Auf dem Markt werden verschiedene Bio-Produkte angeboten, die Trichoderma enthalten. Sie werden fast ausschließlich im ökologischen Anbau eingesetzt. 

Trichoderma-Arten gehören zu den Schlauchpilzen und kommen weltweit im Boden, an Pflanzenwurzeln, in verfaulenden Pflanzenresten und an Holz vor. Sie gelten als Substratzersetzer und als Gegenspieler anderer Organismen. Bisher sind sie jedoch nicht als Krankheitserreger an Pflanzen beschrieben worden. Aktuelle Untersuchungen in der Abteilung für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz haben nun aber gezeigt, dass einige Trichoderma-Arten eine schwere Kolbenfäule an Mais auslösen können. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift Frontiers in Agronomy publiziert. 

Quelle: Annette Pfordt

Das massive Auftreten einer bislang in Europa unbekannten Trichoderma-Art an Maiskolben ließ sich erstmals 2018 in Süddeutschland feststellen. Bei betroffenen Pflanzen bildete sich ein weißes Pilzmyzel mit grünen- bis graugrüne Sporenbeläge auf den Körnern und zwischen den Lieschblättern. Zudem keimten die befallenen Körner verfrüht aus und es konnte nachgewiesen werden, dass sich der Trockensubstanzgehalt der Maiskolben nach künstlicher Inokulation im Gewächshaus stark verringert. 

In zweijährigen Untersuchungen konnte Annette Pfordt, Doktorandin in der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz, 18 Trichoderma-Isolate vornehmlich aus Süddeutschland und Frankreich isolieren. In Gewächshaustests fand sie heraus, dass die vier Isolate der Standorte Künzing und Pocking in Bayern, Croix de Pardies in Frankreich und Bernburg in Sachsen-Anhalt mit einem Kolbenbefall von 95 – 100 % hochaggressiv sind. Mittels molekulargenetischer Untersuchungen ließen sich diese vier Isolate der Art Trichoderma afroharzianum zuordnen. Innerhalb dieser Art haben sich offenbar bislang unbekannte pflanzenpathogene Stämme entwickelt, die nun für die neu entdeckte Maiskrankheit verantwortlich sind. Die Art, die in biologischen Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz kommt, ist ein naher Verwandter, nämlich Trichoderma harzianum. Die bisherigen Untersuchungen zeigen zwar, dass sich die in biologischen Pflanzenschutzmitteln eingesetzten Trichoderma-Stämme von den jetzt gefundenen aggressiven Formen unterscheiden, allerdings wird auch deutlich, dass Risiken durch den Einsatz lebender Mikroorganismen im Pflanzenschutz genau untersucht werden müssen.


Kontakt: 

Dr. Annette Pfordt und Prof. Dr. Andreas von Tiedemann

Abt. Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Fakultät für Agrarwissenschaften

Georg-August Universität Göttingen
Grisebachstrasse 6, 37077 Göttingen

Tel. +49-(0)551 39 23701
Email atiedem@gwdg.de

Homepage: http://www.phytopathology.uni-goettingen.de/

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